Claudia Schumacher hat eine Fortbildung zum Thema Lebenslanges Lernen in Ingolstadt besucht. Die Themen reichten von gesellschaftlichen Umbrüchen bis zu konkreten Lösungen für interne Weiterbildungen in komplexen Unternehmensstrukturen.
Die eintägige Fortbildung «Lebenslanges Lernen im Beruf: Individuell, virtuell, informell?» wurde von der Kommission für Aus- und Fortbildung des Bibliotheksverbunds Bayern (KAF) in Kooperation mit der Bibliotheksakademie Bayern durchgeführt. Die Veranstaltung begann mit einer Keynote und sechs Kurzvorträgen, welche in World Cafés aufgenommen und diskutiert wurden. Den Abschluss bildete eine Ergebnispräsentation, gefolgt von einer Diskussion im Plenum.
Prof. Dr. Werner Widuckel, ehemaliges Vorstandsmitglied der Audi AG für Personal- und Sozialwesen, präsentierte sieben Thesen zur Thematik «Wandel der Arbeit, Personalentwicklung und Innovation». Widuckel vertrat dabei den Standpunkt, dass lebenslanges Lernen vermehrt einen höheren Stellenwert einnimmt aufgrund von sozio-ökonomischen, politischen, technologischen wie auch ökologischen Umbrüchen in der Arbeitswelt.
So hat die fortschreitende Digitalisierung, Flexibilisierung und Globalisierung zu veränderten Arbeitsbedingungen und -inhalten geführt. Beispielsweise werden durch die Digitalisierung bestimmte Aufgaben automatisierbar und es gilt zu überdenken, wo in Zukunft Arbeit wegfallen wird, aber auch wo neue Aufgabenfelder entstehen.
Mit dieser Ausgangslage erhöht sich für Institutionen der Druck zur Innovation in den Bereichen Produkte bzw. Dienstleistungen, Technologie, Organisation, aber vor allem bei den Menschen. Die Qualifikationen und Kompetenzen des Personals werden immer bedeutender und der Aufbau von Kompetenzen wird zum wesentlichen Bestandteil der Personalentwicklung.
Damit Institutionen weiterhin bestehen können, so Widuckel, müssen Veränderungen in Organisationen als Lernprozesse gestaltet werden. Für die Definition von notwendigen Kompetenzen ist eine vorgängige Zielformulierung, welche in enger Zusammenarbeit mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erarbeitet wird und die Ausrichtung der Organisation bestimmt, unumgänglich. Es gilt zu prüfen, welche Lernmethoden den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu den geforderten Kompetenzen verhelfen, um die gesetzten Ziele zu erreichen. Hierbei unterscheidet Widuckel zwischen formellem Lernen, non-formellem Lernen sowie informellem Lernen.

Anschliessend informierte HPI-Mitarbeiterin Stefanie Schweiger über die MOOC-Plattform des Hasso-Plattner-Institut, welche rund 60 Kurse zum Fachgebiet Informationstechnologie umfasst und allen Interessierten frei zur Verfügung steht. Das Verhalten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer wird mit mehreren Verfahren ausgewertet. Anhand von explorativen und visuellen Analysen konnte festgestellt werden, dass Videos mit Referentinnen oder Referenten vor einer Slideshow von den Teilnehmenden klar bevorzugt werden.
Anna Lea Simpson analysierte unter dem Titel «Motivation zum lebenslangen Lernen: Fortbildung mit System» die aktuelle Lage in Bezug auf Weiterbildungen an der Hochschulbibliothek Bielefeld. Sie beschäftigte sich u.a. damit, was Mitarbeiter als Fortbildung definieren, aber auch wie ein Transfer in den Berufsalltag erfolgen kann. Besuchte Fortbildungen werden beispielsweise mittels Punktesystem belegt und in Urkunden festgehalten, was von den Mitarbeitern sehr positiv aufgenommen wird (Gamification-Effekt). Das Personal wird so zu weiteren Fortbildungen motiviert. Gleichzeitig fördert die Hochschulbibliothek informelles und non-formelles Lernen, indem auch Punkte beispielsweise für das Lesen von Fachartikeln vergeben werden.
Delia Bauer-Krupp stellte das interne Weiterbildungskonzept der UB Duisburg-Essen vor. Das Konzept baut auf der Strategie der UB auf, deren Zielen und Anforderungen sowie dem Fortbildungsbedarf. Bauer-Krupp verwies auf die ZBIW-Studie (2016) mit folgenden Zitat: «Bibliotheken sind nur zukunftsträchtig, wenn das vorhandene Personal die dazu erforderlichen (neuen) Kompetenzen und Qualifikationen aus- bzw. aufbaut».
Die UB der Technischen Universität München ist innerhalb Bayerns auf mehrere Standorte verteilt, welche teilweise mehr als 150 Kilometer voneinander entfernt sind. Damit trotzdem möglichst alle interessierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an internen Weiterbildungen teilnehmen können, wurde über Adobe Connect ein virtueller Schulungsraum eingerichtet. Dank guter Akzeptanz, so berichtete Caroline Leiss, ist dieses Vorgehen nun Standard für interne Fortbildungen.

In den World Cafés sowie der anschliessenden Diskussion wurden Fragestellungen und Herausforderungen aus den einzelnen Kurzvorträgen aufgegriffen und es wurde mittels Erfahrungsaustausch nach möglichen Lösungsansätzen gesucht. Dabei wurde auch ersichtlich, dass mitunter von Annahmen ausgegangen wird, welche sich nicht bestätigen lassen.
Beispielsweise sind die Weiterbildungsbeauftragten einer Bibliothek davon ausgegangen, dass in ihrer Institution vor allem Mitarbeitende mit einem befristeten Arbeitsvertrag an Fortbildungen interessiert sind, um sich für eine unbefristete Anstellung zu qualifizieren und ihre Berufsaussichten zu optimieren. Auswertungen haben aber gezeigt, dass diese Mitarbeitenden nur begrenztes Interesse an Fortbildungen zeigen. Zur Differenzierung wäre es hier sehr hilfreich gewesen, zu erfahren, ob die bisherigen Fortbildungen diesen Mitarbeitenden inhaltlich nicht zusagten oder ob wirklich bei diesem Teil des Personals ein geringes Interesse an weiterführenden Qualifikationen besteht.
Eine weitere Institution stellte in einer Auswertung überraschenderweise fest, dass Personal ab 50 Jahren am meisten an Fortbildungen teilnimmt und nicht wie angenommen eher junge Mitarbeitende.
Aus meiner Sicht zeigen diese Erfahrungen aus der Praxis deutlich auf, wie wichtig nebst der eingangs von Widuckel geforderten Zielformulierung auch die Berücksichtigung der Bedürfnisse und Interessen des Personals sind. Sollten diese zu wenig bekannt sein, empfehlen sich gezielte Erhebungen beispielsweise als Teil des Mitarbeitergesprächs. Je klarer die Ausgangslage ist, desto einfacher sind daraus Massnahmen abzuleiten, welche zur Zielerreichung beitragen.
Claudia Schumacher ist Mitarbeiterin des Servicezentrums Zeitschriften der UB Bern und leitet ad interim die Arbeitsgruppe Weiterbildung.
claudia.schumache(a)ub.unibe.ch
November 2017
