Im Rahmen der 24. Mitgliederversammlung der IG WBS fand im LibraryLab der HTW Chur eine Schreibwerkstatt zum Thema „Publizieren im Bibliothekswesen“ statt. Geleitet wurde sie von Karsten Schuldt, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Dozent an der HTW Chur.
Die anwesenden Mitglieder der IG WBS besprachen einen unredigierten Text, der bei der Zeitschrift Libreas, in deren Redaktion Karsten Schuldt tätig ist, eingereicht wurde. Daraus entstand eine Diskussion über Redaktionsarbeit, gute Texte und Rahmenbedingungen des bibliothekarischen Publizierens.
Kleiner Autorenkreis
Erfahrungen von Redaktionen bibliothekarischer Zeitschriften (Open Access, online) zeigen, dass nur extrem wenig bibliothekarisches Personal wissenschaftlich publiziert bzw. dass es immer wieder dieselben Beitragenden sind, die am schriftlichen Diskurs im Bibliothekswesen teilnehmen.
Verschiedene Aspekte könnten diesen Zustand erklären. So gehört wissenschaftliches Publizieren in der Regel nicht zum Stellenbeschrieb des wissenschaftlichen Bibliothekspersonals. Es werden also normalerweise weder Arbeitszeit dafür eingeräumt noch besteht genug Wertschätzung für einen entsprechenden Aufwand. Damit verbunden ist, dass üblicherweise auch das Lesen wissenschaftlicher Literatur nicht zum Arbeitsalltag gehört, sondern grösstenteils in der eigenen Freizeit geschehen müsste. Dafür fehlt vielen entsprechend die Zeit und die Musse.
Auch wird häufig daran gezweifelt, dass die eigenen Projekte/Arbeitsumfelder relevant genug sein könnten, um die gesamte Bibliothekswelt zu interessieren.
Kein etabliertes Genre im Bibliothekswesen
Schwierig ist dazu, dass das Fach Bibliotheks- und Informationswissenschaft im Hochschulbereich häufig noch nicht etabliert ist und keine Standards oder Regeln zum wissenschaftlichen Schreiben/Publizieren in diesem Fach existieren. Auch gibt es verschiedene Themenbereiche und verschiedene Herangehensweisen (theoretisch und praktisch) und sind entsprechend verschiedene Formen des Publizierens wichtig, die so bisher im wissenschaftlichen Kontext ggf. weniger verbreitet sind (theoretische Herangehensweise, Wissenschaftsprobleme vs. Praxisberichte, Kurzberichte).
Abhilfe schaffen könnte hier zum Beispiel das Etablieren von Guidelines und Genres/Texttypen für das Fachgebiet Bibliothekswesen. Solche Hilfestellungen könnten Hemmschwellen abbauen. Auch könnten damit die potenziellen Publizierenden dabei unterstützt werden, am richtigen Ort das richtige Format zu finden, um ihr Thema einzubringen.
Extrem wichtig scheint hier also die Rolle eines Vermittlers, welcher nicht nur Guidelines/Hilfestellungen aufstellen, sondern auch ein entsprechendes Gefäss zur Verfügung stellen könnte. Die Redaktion einer Open-Access-Onlinepublikation könnte beispielsweise eine solche Funktion übernehmen. Auch hier stellt sich jedoch wieder die Ressourcenfrage (Zeit etc.) und wäre damit noch nicht der Rahmen für wissenschaftliches Publizieren in den Bibliotheks- und Informationswissenschaften seitens Universität gegeben.
