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Vom Bibliothekar zum Unternehmensberater

23. März 2015 ·

Info WBS 3, April 2015
Josef Wandeler, Trialog AG (Mail: wandeler@trialog.ch)

Zuerst ein Verlag

Josef Wandeler
Josef Wandeler

Inzwischen bin ich seit mehr als einem Vierteljahrhundert als Unternehmensberater unterwegs für Bibliotheken, Archive und andere Informationsvermittlungsstellen. Vor 30 Jahren wäre ich kaum auf die Idee gekommen, dass dies meine Zukunft sein würde – heute kann ich mir es gar nicht anders vorstellen. Wie alle Bibliotheks- und Archiv-Fachleute meiner Generation war ich Autodidakt und habe mir das Fachwissen on-the-job beigebracht; alle heutigen Ausbildungsgänge gab es damals ja noch nicht. Während meines Studiums hat nichts darauf hingedeutet, dass ich ins Bibliothekswesen einsteigen und mich dort dann selbständig machen würde. Ausser zwei biografische Details, die im Nachhinein doch nicht ganz zufällig wirken: Meinen ersten bezahlten Job hatte ich mit 12 Jahren in der Pestalozzibibliothek, wo ich für einen Franken pro Stunde Bücher aus dem Regalgeholt bzw. dort zurück gestellt habe. Und während des Studiums habe ich zusammen mit einem Freund 1974 ein Buch gemacht und auf den Markt gebracht. Daraus ist dann der Unionsverlag entstanden, inzwischen ein renommierter Kleinverlag, an dessen Aufbau ich 10 Jahre mitgearbeitet habe. In dieser Zeit habe ich nicht nur gelernt, wie der Buchmarkt funktioniert, sondern mir auch einiges an betriebswirtschaftlichem Know-how angeeignet.

Das Handwerk erlernen

Der Einstieg ins Bibliothekswesen war eher zufällig: 1976 habe ich mein Studium in Geschichte und Philosophie abgeschlossen und brauchte dringend einen Job (Geisteswissenschaften waren schon damals ein brotloses Studium). Da wurde in der Bibliothek des historischen Seminars eine Stelle für einen Historiker frei, welche ich mit Glück bekommen habe. Hier habe ich das Bibliothekshandwerk gelernt – von meinen Kolleginnen, welche als Diplombibliothekarinnen eine „richtige“ Ausbildung hatten. Nach acht Jahren dann ein wichtiger beruflicher Schritt: von der Institutsbibliothek zu Radio DRS als Leiter von Dokumentation und Archiven im Studio Zürich. Dies war eine Art Kulturschock: weg von der (damals noch) eher beschaulichen Bibliothek zum eher hektischen Dokumentationsbetrieb eines tagesaktuellen Mediums – die Leitung eines vielfältigen Team von 15, später 25 Mitarbeitenden – die Umstellung des Papierkatalogs auf eine Datenbank – die Reorganisation der Abläufe. Dies war eine sehr intensive Zeit, in der ich viel gelernt habe: Nicht nur viel Fachwissen konnte und musste ich mir aneignen, vor allem lernte ich mich selber, meine Stärken und Schwächen, besser kennen. Nach gut drei Jahren beim Radio stellte sich dann die Frage nach der beruflichen Zukunft. Die Gestaltungsmöglichkeiten wurden immer weniger, die Widerstände immer stärker. Die Option, an einem anderen Ort eine ähnliche Funktion zu übernehmen, war schnell verworfen, denn grosse Unternehmen und Organisationen funktionieren alle etwa gleich und als mittlerer Kader bleibt man letztlich ein Rädchen.

Zu zweit in die Selbständigkeit

In diesem Moment war einzig die Selbständigkeit eine echte Alternative – mit der Idee, mein Wissen als Berater an andere weiter zu geben. Allerdings konnte ich mir schlecht vorstellen, dies ganz allein als Einzelkämpfer zu machen. Da ergab sich der Glücksfall, dass Michel Piguet, der damals mein Stellvertreter war, die gleichen Pläne hatte – so war sofort klar, dass wir den Schritt gemeinsam machen wollten. In einer Retraite wurde der Businessplan der Firma erarbeitet: Wir sahen, dass es eine Marktlücke gab für eine spezialisierte Beratungsfirma im I+D-Bereich – die Kombination von Fachwissen, IT-Know-how und Projektmanagement und v.a. auch unsere langjährige praktische Erfahrung. Die Firma wurde Mitte 1988 gegründet, kurz darauf kam der erste Auftrag und nachdem wir beide beim Radio ausgestiegen waren, hatten wir bald genug zu tun, dass wir von unserer Arbeit auch leben konnten. So einfach das auch klingt – selbständig arbeiten ist kein Sonntagsspaziergang. Der gravierendste Unterschied zu jeder Form der Anstellung ist die Sicherheit: Da ist niemand, der einem jeden Monat ein Gehalt überweist, egal was man geleistet hat oder nicht. Es gibt Phasen, da läuft das Geschäft scheinbar wie von selbst, aber das kann sich auch schnell wieder verändern. Diese Unsicherheit, ob man in einem Jahr noch Aufträge haben und Geld verdienen wird, muss man aushalten können! Auf der anderen Seite stehen die Vorteile der Selbständigkeit; v.a. die grosse Freiheit, seine Arbeit und sein Leben eigenverantwortlich gestalten und bestimmen zu können. Da sind keine Chefs, vor denen ich mich rechtfertigen muss, dafür Kunden, die eine gute Leistung zu schätzen wissen und diese auch bezahlen. Und bei dieser Art zu arbeiten fehlt etwas, worauf ich gerne verzichte: die langweilige Routine. Wir arbeiten projektorientiert und sind immer wieder mit anderen Fragestellungen, Menschen und Organisationen konfrontiert. Und wir müssen auch immer wieder loslassen können, wenn ein Projekt abgeschlossen ist. So habe ich in den über 25 Jahren nie zwei Mal dasselbe gemacht – das hat auch damit zu tun, dass der ganze I+D-Bereich sich extrem dynamisch entwickelt. Diese Dynamik bedeutet auch, dass man sich dauernd neues Know-how aneignen muss und darf, nie stehen bleibt und sich selber immer wieder neu erfinden muss.

Mein Fazit: Die Selbständigkeit hat mir beruflich und privat eine grosse Lebensqualität gebracht, welche mir mehr wert ist als ein dickes Bankkonto. Ich werde immer wieder gefragt, was es braucht, um sich selbständig zu machen. Das ist grundsätzlich unabhängig von der Branche, in der man arbeitet: 1. Die richtige Idee, die Marktlücke, für ein Produkt oder eine Dienstleitung, die gebraucht wird und nicht schon angeboten wird. 2. Unternehmungslust, d.h. den Mut, etwas Neues aufzubauen und das Risiko einzugehen, dass man scheitern könnte. 3. Ein Startkaptal, um die Anfangsphase zu überstehen und das nötige betriebswirtschaftliche Know-how – wer nicht rechnen kann, ist schnell weg vom Fenster. Und 4. viel Durchhaltevermögen, um auch Durststrecken zu überwinden und nicht aufzugeben. —

Diverses Erfahrungsbericht, Selbständigkeit

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