Info WBS IG WBS 3, März 2015
Patrizia Züger

Ich bin der IG WBS Anfang dieses Jahres beigetreten und erhielt gleich die Gelegenheit, mich in diesem Rahmen vorzustellen. Ebenfalls ganz neu – nämlich seit November 2014 – arbeite ich in der Bibliothek der FHNW in Olten, wo ich das Fachreferat für Soziale Arbeit betreue und für den Bereich Social Media verantwortlich bin. Zum Beruf der Bibliothekarin bin ich über einige Umwege gelangt.
Verschiedene Berufsfelder
Nach der Matura war ich unschlüssig, wie ich meinen weiteren beruflichen Werdegang gestalten sollte, und schlug mit einem Réceptionspraktikum in einem Berner Hotel zuerst den Weg in die Richtung einer Tourismus-Ausbildung ein. Ein Jahr danach immatrikulierte ich mich schliesslich doch an der Universität Zürich, wo ich Slavistik sowie Sozial- und Wirtschaftsgeschichte studierte.
Ich genoss die Freiheit, nebst dem Studium in verschiedenste Berufsfelder rein schnuppern zu können. So arbeitete ich beispielsweise als Servicemitarbeiterin in einem Restaurant, als Sekretärin eines Homöopathen oder ich fütterte Fliegen für ein Forschungsprojekt (bis heute das einzige SNF-Projekt, in dem ich als Mitarbeiterin erwähnt bin).
Immer mehr Konstanz
War das Leben als Studentin geprägt von häufigen Umzügen und möglichst vielen Reisen, gab es in meinem Leben nach dem Lizentiat immer mehr Konstanten. Beispielsweise habe ich seit über 10 Jahren meinen Wohnort in Zürich nicht mehr gewechselt und pflege nicht weit davon entfernt einen Garten mit Freundinnen und Freunden. Der ursprünglich erhoffte hohe Selbstversorgungsgrad hat sich leider nicht eingestellt – trotz des exponentiell wachsenden Bestands an Medien zum Thema Gärtnern in meiner Privatbibliothek. Dennoch macht das Wühlen in der lehmigen Erde viel Spass. Beruflich stellte sich Kontinuität jedoch nicht direkt nach Studienabschluss ein.
Bereits Ende des Studiums hatte ich mit der Arbeit in einer Bibliothek oder in einer Dokumentationsstelle geliebäugelt. Dies in erster Linie deshalb, weil ich während der Ausbildung verschiedenste Bibliotheken in Zürich und Tschechien kennengelernt hatte und wahnsinnig gerne in deren Zettelkatalogen, Web-OPACs und Fachdatenbanken recherchiert hatte. Leider reichte diese Begründung nicht bei der Stellensuche.
So arbeitete ich nach Studienabschluss zuerst als Assistentin des russischen Honorarkonsuls. Etwas später wechselte ich zu einer Austauschorganisation, wo ich zuständig war für ausländische Studierende, die in der Schweiz ein Praktikum absolvierten. Ich mochte den Kontakt mit den Studierenden aus der ganzen Welt und mit ihren schweizerischen Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern. Der jährlich wiederkehrende Austauschzyklus verstärkte aber auch den repetitiven Effekt dieser Arbeit. Ich beschloss, noch einmal den Versuch zu unternehmen, in das spannende und sich im Wandel befindende I&D Berufsfeld zu wechseln.
Bibliothekarischer Start in „Osteuropa“
Diesmal gelang mir der Sprung in die Bibliothekswelt, die mich noch immer begeistert. Zuerst absolvierte ich Praktika in der Bibliothek für Osteuropäische Geschichte an der Universität Zürich und in der Schweizerischen Osteuropabibliothek in Bern. An beiden Stellen konnte ich meine Sprachkenntnisse einbringen. Parallel dazu absolvierte ich den MAS in Information Science an der HTW in Chur. Nach dem Abschluss 2011 arbeitete ich in zwei Universitätsbibliotheken in Zürich.
Bald darauf bot sich die Gelegenheit, für das Projekt INUIT (Integration Bibliothekssystem der Universität Zürich in NEBIS) eine befristete Stelle in der Verbundkoordination des Informationsverbunds der Universität Zürich anzutreten. Da dieser Verbund nach dem erfolgreichen Projektabschluss nicht mehr existierte, war ich sehr froh, dass sich mir mit der Arbeit in der NEBIS-Verbundzentrale eine direkte Anschlusslösung bot. Die Mitarbeit im Grossprojekt INUIT und in zwei verschiedenen Verbünden war sehr interessant und ich erhielt Einblick in viele verschiedene Themenbereiche. Ausserdem konnte ich dank dieser Tätigkeit ein besseres technisches Verständnis für unsere Datenbanken und Discovery Tools aufbauen, was mir heute häufig von grossem Nutzen ist.
Direkter Kontakt mit Kundinnen und Kunden
Was ich jedoch bei der Arbeit in den Verbünden vermisste, war der direkte Kontakt mit den Bibliothekskundinnen und -kunden. Deshalb ist es für mich ein Glücksfall, dass ich in die Bibliothek der Fachhochschule in Olten wechseln konnte. Meine Tätigkeit dort ist äusserst abwechslungsreich. Die Betreuung des Fachreferats umfasst nebst Erwerbung und Katalogisierung auch regen Kontakt und Austausch mit den Dozierenden und Studierenden der Sozialen Arbeit. Zusätzlich arbeite ich beispielsweise an der Ausleih- und Infotheke und gebe Datenbank-Schulungen für Studierende. Ausserdem gefällt mir, dass die gut frequentierte Bibliothek zentral im neuen Campus-Gebäude in Olten liegt, einem Ort, an dem die Dynamik der Fachhochschule besonders spürbar ist.
Mein beruflicher Wechsel zurück zum Tagesgeschehen in der Bibliothek ist auch Grund für meinen Beitritt zur IG WBS. Die grosse Vielfalt der Themen, die in Workshops der IG und in den WBS Infos abgedeckt werden, scheint mir wie zugeschnitten auf meinen neuen Arbeitsalltag.
