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Interessengruppe Wissenschaftliche Bibliothekar:innen Schweiz

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Mehrere Standbeine und eine eigene Firma

23. März 2015 ·

Info WBS 3, März 2015
Christa Müller (informo.ch)

Wie alles begann

„Haben wir dieses Buch schon in der Bibliothek?“ fragte mich mein Vater oft, als ich – damals noch im Primarschulalter – ihm beim Aufbau und der Leitung der Gemeindebibliothek zusah. Schon bald durfte ich kleine Handreichungen machen wie Bücher folieren oder einordnen. Tatsächlich konnte ich mir die vorhandenen Bücher sehr gut merken und so konnte mein Vater die Buchbestellungen von zuhause aus machen. Für mich war das der „Beginn einer wunderbaren Freundschaft“ mit der Bibliothekswelt. Damals entstand der Wunsch, Bibliothekarin zu werden.

Ich blieb dem Vorhaben treu und machte nach der Matura umgehend ein Volontariat im damaligen Pestalozzianum. Die Ausbildung zur Bibliothekarin schloss ich mit dem Diplom VSB ab. Mit Begeisterung habe ich in dieser Zeit Benutzer beraten. Mein Flair für Systematik, Medienstandorte und Signaturen erleichterte die Arbeit. Die Diplomarbeit zum Thema Bibliothekssystematik passte zu meinen Fähigkeiten.

Mit weniger Energie begegnete ich indessen anderen bibliothekarischen Tätigkeiten wie Katalogisierung. Bald war klar, dass die dabei geforderte Präzision keine meiner hervorragendsten Eigenschaften war. Das zeigte sich auch an meiner ersten Stelle in der Bibliothek des Rechtswissenschaftlichen Seminars, wo ich mich wiederum der Kundenbetreuung verschrieb und andere bibliothekarische Arbeiten ganz gern anderen überliess. Gleichzeitig merkte ich, dass ich mich nicht zur Spezialistin eignete. Meine mangelnde mathematische Begabung verhinderte mein Wunschstudium BWL. Dafür passte das Studium der Rechtswissenschaften gut zu meinen systematischen Fähigkeiten. In dieser Zeit arbeitete ich gerne und viel in der rechtswissenschaftlichen Bibliothek. Parallel dazu baute ich an einer zweiten Stelle die Dokumentation in einer Anwaltskanzlei auf. Ich führte hier eine ansehnliche Bibliothek und Dokumentation alleine – die Gestaltungsfreiheit und die eigenständigen Entscheidungsmöglichkeiten gefielen mir.

Auf Abwegen

Nach dem Studium verabschiedete ich mich aus der Bibliotheksarbeit und widmete ich mich vorerst einer juristischen Tätigkeit am Gericht. Wiederum stellte ich fest, dass ich keine „Vollblutjuristin“ werden würde – ich brauchte Abwechslung, um mich wohl zu fühlen. Schliesslich wechselte ich in die Versicherung, wo ich viele Jahre blieb. Ich konnte meine bisherigen Ausbildungen mit fachlichen Kenntnissen, vor allem aber mit Führungs- und Projektmanagementwissen ergänzen und gleich auch beides umsetzen. Die strukturierte und abwechslungsreiche Arbeit in Projekten gefiel mir besonders. Hier konnte ich so manches vorher Erworbene anwenden: führen und ausbilden, koordinieren und systematisieren.

Entschieden in die Selbständigkeit

Mit einem guten Boden an Wissen und Erfahrungen entschied ich – wiederum dem Vorbild meines Vaters folgend – mich selbständig zu machen, nachdem ich erkannte, dass die Selbständigkeit für ihn die glücklichste Zeit seines beruflichen Lebens war. Noch im sicheren Hafen einer Teilzeit-Anstellung konzipierte ich Angebote, entwarf Logos und Businesspläne und gründete vorerst eine Einzelfirma.

Fast fünf Jahre dauerte der Entscheidungsprozess, bis ich absolut sicher war, dass ich die Selbständigkeit und nur diese wirklich wollte. Dann kamen mir der Zufall und das Glück zu Hilfe mit einem Auftrag einer Unternehmung, die genau mein Know-how brauchte. Ich warf in der Folge fast alles Geplante über Board und liess die „Fangseile des Angestelltseins“ ganz los. Ich gründete eine GmbH „informo GmbH“ und ging damit in die vollständige Selbständigkeit.

Ein Standbein Bibliothek

Als zweites Standbein neben der Beratertätigkeit fing ich zur Sicherung meiner Existenz rasch an zu unterrichten. Damit betrat ich kein Neuland, da ich schon in den Versicherungsjahren regelmässig unterrichtete. Jetzt kehrte ich auch zurück zu meinem ersten Beruf, unterrichtet mit der Zeit Master- und Bachelorstudenten, IuD-Assistenten, SAB- und BIS-Kurse – plötzlich machte alles einen Sinn, was ich früher gelernt hatte: ich konnte mir – trotz langer Absenz – die Welt vorstellen, in der sich meine Unterrichtsteilnehmenden im Alltag bewegten und verstand ihre Herausforderungen und Fragen.

Bald kamen wiederum Beratungs- und Projektaufgaben dazu, zu meiner besonderen Freude öfter auch im Bibliotheksbereich. So konnte ich mein organisatorisches und strategisches Know-how einbringen und meine verschiedenen Fähigkeiten und Erfahrungen vernetzen. Projektarbeiten und Unterricht im Bibliotheksbereich gehören heute zum festen Repertoire meiner Dienstleistungen und bilden eines von mehreren Standbeinen meiner selbständigen Erwerbstätigkeit.

Zielstrebig, systematisch und kreativ

Persönliche Eigenschaften, die mich bereits dazu gebracht haben, Bibliothekarin zu werden, halfen mir auch während meiner Selbständigkeit sehr viel: Ich habe meine Ziele immer konsequent verfolgt. Ich verfüge über ein gutes „Stehvermögen“ (Belastbarkeit) und verfolge hartnäckig Angestrebtes. Ich arbeite gern mit anderen Menschen partnerschaftlich zusammen.

Auch mein besonderes Flair für Systematik und Strukturen erweist sich als ausgesprochen nützlich. Dadurch bin ich sehr gut organisiert und kenne z.B. Ordnungs- und Recherchetechniken. Gleichzeitig bin ich entscheidungsfreudig, kreativ und neugierig. Ich denke gern voraus und lasse mich gern auf Neues ein. So will ich mich längerfristig für etwas ruhigere und regionaler bewirtschaftbare Aktivitäten rüsten. Ich beschäftige mich deshalb aktuell mit Spielpädagogik, bei der ich eine persönliche Leidenschaft mit einem sehr guten ausbildnerischen Know-how vereinen kann und von dem ich erwarte, wiederum Verbindungen zur Bibliothek knüpfen zu können.

Freuden und Leiden der Selbständigkeit

Nach bald 15-jähriger Selbständigkeit kann ich mir nichts anderes mehr vorstellen: ich geniesse es, meinen Weg selber zu bestimmen, die eigene Strategie zu entwickeln und umzusetzen, unabhängig zu sein von Organisationsstrukturen, internen Vorgaben und laufenden, oft auch fragwürdigen Reorganisationen.

Gleichzeitig nehme ich auch ein paar Nachteile in Kauf: ich arbeite mehr als früher, oft unter hohem Zeit- und Erfolgsdruck, sehr oft bleibe ich auch in Ferien erreichbar – nicht immer zur Freude meines Umfeldes. Wenn die technische Infrastruktur Probleme zeigt, kann ich nicht auf eine Abteilung zurückgreifen, die mich unterstützt und wenn ich krank bin, verdiene ich nichts. Manchmal fehlen mir auch kollegiale Gespräche im Kaffeeräumchen, so wie früher. Aber nach langen Jahren der Selbständigkeit verfüge ich über ein umfangreiches Netzwerk, das die fehlende Organisation weitgehend ersetzt.

Soll ich oder soll ich nicht?

Manchmal treffe ich auf Leute, die sich den Wechsel in die Selbständigkeit überlegen. „Was ist besonders wichtig dabei?“, wollen sie wissen. „Braucht es nicht eine ganze Menge Mut, selbständig zu werden?“ Dann antworte ich: Wichtig scheint mir ein sehr guter Boden bezüglich Ausbildung und beruflicher Erfahrung, sei es ganz spezialisiert oder ganz breit. Eine gute Gesundheit und ein guter finanzieller Rückhalt helfen, dass keine Ängste aufkommen, wenn die Einkünfte unregelmässig sind. Natürlich wichtig ist auch ein klares und transparentes Angebot, um sicher auf dem Boden der Selbständigkeit verankert zu sein. Die feste Überzeugung, das Richtige zu tun und dies mit Herzblut und Ausdauer, sich selber gut kennen, die eigenen Fähigkeiten und Chancen realistisch einschätzen und nicht zuletzt laufend am eigenen Netzwerk arbeiten, sind wichtige Voraussetzungen für eine erfolgreiche Selbständigkeit.

 

Christa Müller, dipl. Bibliothekarin VSB, lic.iur., Organisatoren- und Führungsausbildung, eidg. FA Erwachsenenbildnerin mit langjährigen Erfahrungen in all diesen Bereichen. Selbständig seit 2001 mit informo GmbH.

Management und Leitung Erfahrungsbericht, Selbständigkeit

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