Am 13. November 2025 versammelten sich rund 50 Fachpersonen aus der Bibliothekswelt im Staatsarchiv des Kantons Zürich zu einem Nachmittag, der ganz im Zeichen der Künstlichen Intelligenz stand. Die von der IG WBS und bibliostchweiz organisierte Veranstaltung bot eine lebendige Mischung aus fachlichen Inputs, Praxiseinblicken und wertvollem Austausch. Schon zu Beginn war spürbar, dass die Teilnehmenden mit grosser Offenheit und Neugier angereist waren – mit dem gemeinsamen Wunsch, aktuelle Entwicklungen besser zu verstehen und mögliche Einsatzfelder für ihre eigenen Bibliotheken zu entdecken.
Nach der Begrüssung durch die Organisator:innen Laura Glöckler (IG WBS) und Bastian Offenhauser (bibliostschweiz) stellten sich die Referent:innen vor und leiteten so den inhaltlichen Teil ein. Den Auftakt machte Carina Burch von der ZHAW Hochschulbibliothek mit ihrem Input «KI und Informationskompetenz – wie wir Wissen einordnen und kritisch hinterfragen». Sie zeigte auf, wie selbstverständlich KI-Tools bereits im Studienalltag genutzt werden und wie wichtig es ist, Studierende und Mitarbeitende im kritischen Umgang mit KI-Tools zu stärken. Aus diesem Bedarf heraus entwickelte die ZHAW Hochschulbibliothek einen Kurs zu KI-Tools für die Literaturrecherche, der Studierenden einen strukturierten und reflektierten Zugang zum Arbeiten mit KI ermöglicht. Das PAIR-Framework bildet die Basis der Kursgestaltung und führt strukturiert vom Definieren des Problems über die Toolauswahl bis hin zur Reflexion. Der Austausch im Publikum zeigte, dass die Vermittlung von Informationskompetenz im Bereich KI viele Hochschulbibliotheken beschäftigt und dass der Wunsch besteht, institutionsübergreifend voneinander zu lernen.

Anschliessend gab Vildane Bilali von der Zentralbibliothek Zürich in ihrem Input «KI und Metadaten – der AI Metadata Assistant von Ex Libris im Praxistest» Einblick in aktuelle Entwicklungen der KI-gestützten Erschliessung. Sie stellte den AI Metadata Assistant von Ex Libris vor, ein KI-gestütztes Werkzeug, das in die Bibliothekssoftware Alma integriert ist und neue Wege der Formalerschliessung eröffnet. Obwohl sich der AI Metadata Assistant noch in einer frühen Entwicklungsphase befindet, wurde deutlich, dass er durchaus Potenzial bietet – insbesondere bei der automatischen Erkennung von Personen, Körperschaften und grundlegenden bibliografischen Angaben, sofern das verwendete Bildmaterial gut lesbar ist. Gleichzeitig zeigte der Praxistest, dass die Ergebnisse des Assistenten stark variieren und in vielen Fällen korrigiert werden müssen. Eine sorgfältige Prüfung durch die Fachpersonen bleibt daher unverzichtbar, und das Tool ist derzeit noch nicht für den produktiven Einsatz geeignet. Vor diesem Hintergrund gewinnt die aktive Beteiligung der Bibliotheken an Bedeutung: Durch regelmässiges Testen, kritisches Rückmelden und das Einbringen praktischer Erfahrungen kann das System gezielt weiterentwickelt werden, sodass es künftig verlässlicher arbeitet und den Anforderungen der Formalerschliessung besser entspricht.
Zum Abschluss der Vortragsreihe führte Nobutake Kamiya mit dem Input «Entdecke Ollama! – lokale KI-Assistenten für eigene Projekte nutzen» in die Welt der Open-Source-Software «Ollama» ein. Nobutake Kamiya demonstrierte, wie sich moderne Sprachmodelle direkt auf dem eigenen Rechner nutzen lassen, ohne dass Daten an externe Server gesendet werden. Für Bibliotheken, die regelmässig mit vertraulichen oder urheberrechtlich geschützten Dokumenten arbeiten, könnte dieser Ansatz eine wertvolle Ergänzung zu bestehenden Tools darstellen und zu einem sicheren und verantwortungsvollen KI-Einsatz beitragen.
In der gemeinsamen Schlussrunde hoben die Referent:innen übereinstimmend hervor, wie wichtig Vernetzung und Zusammenarbeit mit anderen Fachpersonen für den sinnvollen Einsatz von KI sind. Es wurde sichtbar, dass sich in verschiedenen Bibliotheken bereits Initiativen bilden, beispielsweise ein neu gegründeter KI-Zirkel, der den Erfahrungsaustausch fördern soll. Auch der Wunsch nach stärkerer institutionenübergreifender Kooperation wurde mehrfach betont: Viele Herausforderungen im Umgang mit KI lassen sich effizienter im Austausch als allein lösen.

Der anschliessende Apéro bildete einen stimmigen Abschluss. Bei einem reichhaltigen Angebot an salzigen und süssen Köstlichkeiten kam es zu zahlreichen angeregten Gesprächen, neuen Kontakten und vielversprechenden Ideen für zukünftige Zusammenarbeit.
Insgesamt wurde an diesem Nachmittag deutlich, dass Bibliotheken sich nicht nur mit den Möglichkeiten von KI auseinandersetzen, sondern vor allem mit der Frage, wie ein kompetenter und verantwortungsvoller Umgang damit gelingen kann. Die Veranstaltung zeigte, wie wichtig Austausch, Orientierung und gemeinsames Lernen in dieser dynamischen Entwicklung sind. Sie machte Mut, den Dialog fortzuführen, Erfahrungen zu teilen und die nächsten Schritte im Umgang mit KI anzugehen.
Autorin
Katja Juchli, Kantonsbibliothek Thurgau
