• Skip to primary navigation
  • Skip to main content
IG WBS

IG WBS

Interessengruppe Wissenschaftliche Bibliothekar:innen Schweiz

  • Über uns
    • Mitglied werden
    • Statuten
    • Vorstand
  • Aus- und Weiterbildung
  • Veranstaltungen
  • Intern
    • Berichte
    • Mitglieder im Fokus
    • Aus dem Vorstand
    • Info WBS
    • Mitgliederverzeichnis
  • Anmelden
  • Show Search
Hide Search

10th International Bielefeld Conference (24.04.-25.04.2012)

15. Mai 2012 ·

Shaping future INFO-Structures

Gary Seitz

Zum 10. Mal fand in Bielefeld eine der bedeutendsten internationalen Konferenzen für wissenschaftli­che Bibliotheken statt. Es kamen ca. 300 Teilnehmende aus Universitäts- und Forschungsbibliotheken aus fast allen Ländern Europas. Ergänzt wurden sie von einem Dutzend KollegInnen aus den USA. Wie immer wurde über zukünftige Entwicklungen der E-Library referiert und diskutiert. Eindeutig im Zentrum stand dieses Jahr der Umgang mit Daten jeglicher Art. „Drowning in Data“ von Anne E. Trefethen war einer der Kernvorträge, die zeigten, dass die ungeheuren Mengen an Forschungs- und Publikationsdaten schon kurz nach ihrer Entstehung gleich wieder unauffindbar sind, wenn sie nicht beschrieben, klassifiziert und verlinkt werden. Die Lösung dieser Aufgabe könne am besten von Bib­liotheken übernommen werden, da dies in deren Kernkompetenz falle. Dies kam schon in den ersten Referaten von Birte Christensen-Dalsgaard (Deputy Director General at the Royal Library in Den­mark) und Stefan Gradmann (Humboldt University Berlin / Berlin School of Library and Information Science (B-SLIS) klar zum Ausdruck. Einig war man sich, dass nicht mehr die allgemeine Orientie­rung am eigenen physischen Bestand einer Bibliothek im Zentrum steht, sondern der Nachweis und der Zugang zu weltweit verstreuter fachspezifischer Information.

Folgende Schwerpunkte und aktuelle Trends lassen sich erkennen:

  • Digitalisierung und Globalisierung: Die elektronische Bibliothek befindet sich in einem beschleunigten formalen und funktionalen Wandel hin zu weltweitem Nachweis (fachspezifi­scher) Information und optimiertem Zugang zu bzw. Partizipation an global produzierten Daten.
  • One-Stop-Shop-Zugriff: Analog den Suchmöglichkeiten in Google werden integrierte Lösun­gen angeboten, die es ermöglichen, mit einem einzigen Sucheinstieg  auf die Vielfalt der Res­sourcen (Bibliotheksbestände, Online Zeitschriften, Datenbanken, E-Collection, Bildarchiv, Filmarchiv, etc) mit Ranking-Technologie zugreifen zu können. Gewünscht wird ein breiter, übergreifender, einheitlicher Zugriff auf insbesondere fachspezifische Informationen.
  • Kernkompetenz Datenmanagement: Ein wichtiger zukünftiger Aspekt ist die Schaffung von Verbindungen von Publikation und Forschungsdaten. Diese Verbindung schafft Mehrwert für die Wissenschaft, da direkt aus der Publikation auf die zugrundeliegenden Daten zugegriffen werden kann und dies die Sichtbarkeit des Publizierten steigert. Stehen die Ressourcen unver­bunden nebeneinander, müssen die Wissenschaftler Hinweise auf die verwendeten Forschungs­daten in den jeweiligen Volltexten suchen. Anschließend müssen die Forschungsdaten mit Hilfe der gefundenen Referenzen in separaten Datenbanken recherchiert werden. Dieser Vorgang ist sehr zeitintensiv, zudem können uneinheitliche und teilweise unvollständige Zitierungen das Auffinden der Daten erschweren oder gar verhindern. Daher ist es notwendig, dass die Metada­ten von Forschungsdaten und Publikationen miteinander verknüpft sind und direkt über die Recherchesysteme der Universitätsbibliotheken gefunden werden können. Ein Beispiel wie das gemacht wird, wurde im Vortrag „Linking of Bibliographic and Research Data in Social Sciences“ anhand der UB Mannheim und des GESIS gezeigt.
    BibliothekarInnen müssen die wissenschaftlichen Prozesse in den verschiedenen Forschungs­richtungen verstehen, um in diese Prozesse miteinbezogen zu werden und bei der Bildung von virtuellen Wissenschaftsgemeinschaften helfen zu können. Weiter können sie ihre Institutionen bei Datenzugang, Datenhandling, Datenprüfung, Metadaten-Erzeugung sowie Datenverwaltung und -vermittlung unterstützen. Sie sollten bemüht sein, komfortable Zugangssysteme (One-Stop-Shop-Zugriff) anzubieten, Metadaten in den Katalogen mit Web 2.0-Technologien (z.B. Tagging) anzureichern, Bestandes- und Datenkataloge durch Erweiterung und Verbesserung der fachlichen Erschliessung auszubauen und Nachweise und Links zu den Quellen selbst zu verknüpfen.
    Der Einbezug von semantischen Technologien in der Klassifikation und Verlinkung von Publi­kations- und Forschungsdaten nimmt kontinuierlich zu und entwickelt sich zu einem wichtigen unterstützenden Element. Deren Einsatz bei der Deutschen Nationalbibliothek und der Biblio­thek der Goethe Universität Frankfurt hat aber auch eine hohe Fehlerquote offenbart und be­stätigt, dass die korrekte Klassifizierung und Verlinkung ohne menschlichen Intellekt und Sachkenntnis nur sehr unzureichend gelingt.
  • Kontext und Wertsteigerung: Publikations- und Forschungsdaten können nur wiederverwer­tet werden, wenn sie strukturiert, verstanden, klassifiziert und beschrieben worden sind. Bib­liotheken fällt in diesem Zusammenhang die Aufgabe zu, permanenten Zugriff zu ermöglichen, Daten zu bewahren und zu archivieren, sie eindeutig identifizierbar und auffindbar zu machen (DOI) und ihnen Struktur, Verständnis, Bedeutung, Kontext und Annotationen zu geben. Dabei ist es unerlässlich, Regeln aufzustellen, wie Forschungsdaten zitiert werden können. Eine Orga­nisation, welche sich mit dieser Problematik beschäftigt, ist DataCite (http://datacite.org/). Sie weist auch nach, dass Publikationen mit verlinkten bzw. zugänglichen Forschungsdaten bis zu 35% höhere Zitationszahlen haben.
    Bibliotheken sind geradezu prädestiniert dazu, Open Linked Data mit aufzubauen, zu pflegen und Vertrauenswürdigkeit und Stabilität zu sichern, da sie schon lange verlinkte Daten produ­zieren, nämlich ihre Katalogdaten. Ein Grund, Bibliotheksdaten ins Web zu migrieren, sind die stattfindenden Veränderungen in der Produktion, Publikation und Verbreitung wissenschaftli­cher Ergebnisse, seien dies Forschungsdaten oder Texte. Semantik und Verlinkung werden eine wichtige Rolle in der Weiterentwicklung der wissenschaftlichen Kommunikation spielen und damit großen Einfluss auch auf die wissenschaftlichen Bibliotheken haben. Wenn die Kata­logdaten ins Open Linked Data Netz einfliessen, könnten sie durch Anreicherungen mit ande­ren Daten eine enorme Wertsteigerung erlangen.
    Kurz: Kontext ist der Königsweg, und darin liegt eine Chance für Bibliotheken. Denn Daten ohne Kontext sind wertlos.
  • Kollaboration und Spezialisierung: Die Entwicklung von Dienstleistungen aus der „Cloud“ wird einen grossen Einfluss haben. Bibliotheken müssen noch verstärkter zusammenarbeiten, um gute regionale, nationale und internationale Informations-Infrastrukturen zu schaffen und um das grosse Problem der Archivierung und Erhaltung von digitalen Kollektionen zu lösen. Da sowohl die Inhalte wie auch die Nutzer zunehmend globaler werden und sich alle in der „Cloud“ befinden, ist es für die Bibliotheken unumgänglich, sich ebenfalls dorthin zu bewegen, was wiederum die Zusammenarbeit fördert.
    Wissenschaftliche Bibliotheken werden sich zudem (auch thematisch) spezialisieren müssen, um mit dem „Information Overload“ zurechtzukommen. Es zeichnet sich jetzt schon ein Auf­kommen von fachspezifischen Repositorien ab, die frei verfügbare Dokumente weltweit sam­meln und klassifizieren. Ein Beispiel dafür ist „High North Research Documents“ (http://highnorth.uit.no/), unterhalten von der University Library of Tromsö, welche den Wis­senschaftlern über eine thematische Schlagwortsuche, angepasst an die arktische Region, Dokumente zugänglich macht.
    Daneben müssen fachlich definierte und projektbezogene Bestände digitalisiert werden, denn was digital nicht gefunden werden kann, existiert für die Suchenden nicht.
  • Rationalisierung und Kostensenkung: Eine verstärkte Zusammenarbeit bei der Katalogisie­rung und bei Lizenzverhandlungen könnte die Kosten für jede Bibliothek merklich senken. Wenn wissenschaftliche Zeitschriften (und bald auch E-Books) durch nationale oder interna­tionale Zusammenarbeit lizenziert würden, könnte viel gespart werden. Gemeinsame nationale und internationale Kataloge würden die Katalogisierung noch effizienter machen, da die Meta­daten nur noch einmal geschaffen werden müssten.
    Institutionelle Repositorien könnten massiv zu Kostensenkungen beitragen. Sie stehen am Anfang der Wertschöpfungskette, und jede wissenschaftliche Institution muss sie aufbauen, um Publikationen, Forschungsdaten, Multimedia-Information, Lernressourcen etc. zu sammeln, zu sichern, zu strukturieren, nachzunutzen, anzureichern, zu archivieren und zugänglich zu machen.
  • Open Access bleibt weiterhin ein zentrales Thema, da die Zeitschriftenpreise unverändert bis zu 10% jährlich steigen. Es wird appelliert, bei den Forschungsdaten den Zug nicht zu verpas­sen, und sie schon jetzt Open Access anzubieten, damit die Verlage sich nicht auch ihrer be­mächtigen können.
    Dasselbe gilt für Bücher. Mit OAPEN (http://www.oapen.org) ist ein erstes Projekt gestartet worden. Das 2008 initiierte EU-Projekt soll Open-Access-Publikationsmodelle für Bücher stär­ker verankern und Institutionen bei der Implementierung unterstützen. Am weitesten fortge­schritten in diesbezüglichen Bemühungen sind die Universitäten in Grossbritannien und den Niederlanden.
    In gross angelegten Studien konnte gezeigt werden, dass Sichtbarkeit, Gebrauch und Impact bei Open Access um bis zu 150% ansteigen. Weiter wird betont, dass dadurch die Wissenschaft schneller wird und durch den stark gesteigerten Gebrauch das Wissen wertvoller wird.
  • Zentraler Lernort: Der „Reading Room” wird durch die gesteigerte Nachfrage nach kollabo­rativem Arbeiten massiv an Bedeutung gewinnen. Die digitalen und physischen Arbeitsplätze ergänzen den hybriden Bestand an Lehrbüchern, Datenbanken und einer digitalen Lernumge­bung. Einführungskurse in Informationskompetenz gehören ebenso dazu wie permanentes Monitoring und Coaching der Studierenden, was sich nachweislich in besseren Studienleistun­gen niederschlägt.
  • Der Paradigmenwechsel in der Wissenschaft führt auch zu Veränderungen in der Bibliothek. Das Petabyte-Zeitalter erlaubt Aussagen wie: „Korrelation genügt.“ Daten können ohne Hypo­thesen analysiert werden, Zahlen können in riesige Computer Cluster geworfen werden, und statistische Algorithmen werden Muster finden, welche die Wissenschaftler nicht sehen. Das Problem dabei ist, dass Forschende 80% des Zeitaufwandes mit Suchen und Auswerten ver­bringen, statt mit Interpretation (die eigentliche Forschungsarbeit). Eigenschaften dieser Art von Wissenschaft wurden im Nature Blog gepostet: Replacing the Paper: The Twelve Rs of the e-Research Record (eResearch Blog in Nature, posted by David De Roure on Nov 27, 2010 – [nicht mehr verfügbar – Anm.d.Red.]). Weitere Informationen zur datengetriebenen Wissenschaft gibt es in einem Spezialheft von Spektrum der Wissenschaft: http://www.h-its.org/downloads/pr/SdW-extra_HITS.pdf [nicht mehr verfügbar – Anm.d.Red.]
  • Positionierung als Dienstleister/Scientific Information Center: Stärkere Vernetzung der E-Library mit den IT-Services, den Forschenden, den Forschungsprozessen und den Studierenden analog den angloamerikanischen Staaten, Skandinavien und den Niederlanden.

Fazit

In gezieltem Austausch mit Forschenden und Lehrenden stehendes, fachspezifisch qualifiziertes Bib­liothekspersonal wird in Zukunft die vorhandenen wissenschaftlichen Informationen sammeln, sichern, archivieren, strukturieren, anreichern, Verbindungen zu andern Daten schaffen, bereitstellen und zu­gänglich machen, d.h. ihre Qualität verbessern und damit eine erhöhte Wertschöpfung sichern. William K. Michener forderte in seinem Vortrag „Research Data Paradigms for Science and Academia“: „Data management should become part of curriculum!“]

Zukünftig müssen die Dienstleistungen der E-Library noch mehr als bisher auf die Bedürfnisse spezifi­scher Zielgruppen zugeschniten sein. Bibliotheken und ihre Netzwerke müssen die neuen Anforde­rungen untersuchen, die ihre Organisationen an sie und ihre Infrastruktur stellen.

Die Fähigkeit, effizient zu recherchieren und mit Informationen aller Art souverän und kompetent um­zugehen, ist eine wissenschaftliche Basisqualifikation, denn ein wachsender Anteil der gesamten For­schungskosten sind Zeitkosten für die Suche nach wissenschaftlicher Information.

Die Nähe zu den Forschenden wie auch zu den Studierenden wird zu einem entscheidenden Kriterium der Dienstleistungsqualität,–geschwindigkeit und der -effizienz. Der Schnittstelle zu den IT-Services und der Ausgestaltung als zentraler Lernort kommt eine prioritäre Bedeutung zu.

Ich zitiere Hans Geleijnse (Tilburg University, The Netherlands) in seinem Vortrag Libraries and Library Networks at a Crossroads: „Research libraries can play an important role in their institution and make the difference for their students, researchers and other users„.

Für mich war die Konferenz wie immer sehr spannend. Im Zentrum stehen Strategien und Weiter­entwicklungen der Bibliothek. Direkt umsetzen kann ich ganz wenig, aber es zeigt mir Ideen und Ansätze auf, in welche Richtung sich meine Arbeit entwickelt. Ich werde für die wichtigen Themen sensibilisiert und bin entsprechend vorbereitet, wenn sie bei uns ankommen. Empfehlen kann ich die Konferenz für alle wissenschaftlichen BibliothekarInnen, welche technisch bzw. IT-interessiert sind und die sehen wollen, wohin die Reise führen könnte.

Bielefeld Conference: http://conference.ub.uni-bielefeld.de/
Programm und Präsentationen: http://conference.ub.uni-bielefeld.de/programme/

Wissenschaft und Forschung Digitaler Wandel, Open Access

About IG WBS Administrator

IG WBS

Copyright © 2026 · Interessengruppe Wissenschaftliche BibliothekarInnen Schweiz
eine Vereinssektion von Bibliosuisse

  • Impressum
  • Datenschutz
Diese Website benutzt Cookies. Wenn du die Website weiter nutzt, gehen wir von deinem Einverständnis aus.